Dienstag, 11. März 2008

endlich wieder zuhause

ich bin wieder in görlitz, endlich! die heimreise war anstrengend, aber nicht ganz so schlimm, wie ich befürchtet hab. ich bin auch wieder halbwegs auf dem damm, do ganz in ordnung ist mein bauch noch nicht und ich muss mich mit schonkost begnügen, aber es wird immer besser. gestern abend sah es fast nach einem kleinen rückfall aus, nachdem ich den fehler begangen habe, mittags in der mensa einen halben teller spätzle zu essen, aber heute fühle ich mich schon wieder besser.
insgesamt bin ich einfach froh, nach einem halben jahr endlich wieder zuhause zu sein! und mit dem gedanken wache ich im moment jeden morgen auf: erst so das nachspüren: wie hab ich geschlafen? dann die erleichterung: ooh, ich hab richtig gut geschlafen, und mein rücken fühlt sich gut an... und dann der gedanke: ach, ich bin zuhause, wie wunderbar, zuhause!!

das neue semester verspricht sehr anstrengend, aber auch sehr interessant zu werden. der stundenplan an sich ist recht locker, aber es stehen ein haufen referate an, eine riesen-hausarbeit und jede menge projekte, so dass die freien zeiten zwischen den vorlesungen und seminaren gut ausgefüllt sein wird. außerdem möchte ich gerne so viel mitnehmen wie möglich, so dass ich freiwillig ein seminar mache, das ich gar nicht bräuchte, und mich schon am kommenden wochenende gleich für einen weiteren workshop (existenzgründung) angemeldet habe. wenn alles klappt, dann wird ein projekt dieses semesters die entwicklung meiner eigenen corporate identity werden, und dabei hab ich dann jede menge unterstützung von vier weiteren kompetenten kommilitonen. puh, das erleichtert mich, denn das hab ich schon das ganze letzte jahr mangels zündender ideen vor mir her geschoben. bin gespannt, wie sich das entwickelt.

so, und jetzt werde ich noch eben den reisebericht mit fotos bestücken, dann endlich den schreibtisch aufräumen, damits mit dem studieren richtig losgehen kann, und dann ab in die hochschule.

Freitag, 7. März 2008

der letzte tag

nachdem liat und ich uns gestern nach ein bisschen herumirren gefunden habe, haben wir erst mal mein gepaeck zu ihrer wg geschleppt. ich war erfreut, endlich mal ein geleckt sauberer ort, an dem ich mich spontan wohl gefuehlt habe. wir unterhielten uns ein bisschen und machten uns dann auf der weg zu einer hummuseria, um ein bisschen was zu essen. das war ein fehler, denn kaum hatte ich ein bisschen was im magen, kamen die kraempfe zurueck und ich war froh, dass die toilette in unmittelbarer naehe war.
nichts desto trotz, ich fuehlte mich nicht wirklich schlecht, gingen wir danach ins amadillo, ihre lieblingsbar. und nachdem es anfangs ganz lustig war fiel de stimmung dann irgendwann ab, als immer mehr leute ueber das massaker in jerusalem erfuhren. die gespraeche wurden ernst, aufgewuehlt, und ich fuehlte mich zunehmends fiebriger. ich wollte auch nicht draengeln, aber ich war dann heilfroh, als wir uns auf den heimweg gemacht haben. ich hatte jetzt kopfweh, mit sicherheit auch fieber, gliederschmerzen und ich fuehlte mich unendlich schwach.

zurueck in der wg gings auch mit dem durchfall wieder los, ich habe aufgehoert zu zaehlen, wie oft ich diese nacht und heute morgen draussen war. die bauchkraempfe werden auch schlimmer, und so langsam gesellt sich auch ein bisschen uebelkeit hinzu. ich versuche zu trinken, aber es faellt mir schwer.

liat ist aus dem haus, wir wollten eigentlich zusammen zu ihrer hochschule, wo ein theaterfestival stattfindet, aber ich kann einfach nicht. freundlicherweise darf ich bei ihr bleiben, bis heute mittag, wenn sie kurz wiederkommt, und ich dann zum flughafen fahre. wie ich das dort mache, ist mir noch nicht ganz klar, denn der flug geht erst um 19:20. und ich komme erst um 22:50 in berlin an. ich uebernachte bei thusa, aber die wohnt weit weg vom flughafen, und in berlin streikt gerade der nahverkehr. ich habe die dumpfe ahnung, dass das ein kleiner horrortrip werden wird...

Donnerstag, 6. März 2008

jerusalem - rehovot - tel aviv

jo war leider nicht mehr in der stimmung noch was zu machen, aber das war nicht so schlimm, denn ich war auch ganz schoen kaputt. es waer zwar schoen gewesen, als kontrastprogramm zum alten jerusalem noch ein bisschen junges leben in der new city mitzukriegen, aber jo erzaehlte mir dann, dass er gerade einen tag vor meiner ankunft von seiner freundin verlassen worden war, und das hat ihn doch ziemlich mitgenommen und ihm relativ schlaflose naechte beschert, was ich dann doch nur zu gut verstehen konnte.
wir haben dann noch ein video angeguckt und sind dann schlafen gegangen.

am naechsten tag hat jo spontan die uni geschwaenzt um endlich mal genug schlaf zu bekommen, und ich bin noch mal in die altstadt gezogen. ich bin noch den anderen teil des ramparts walk gegangen, vom jaffa gate bis zum lions gate, was eine gute stunde gedauert hat.

Image Hosted by ImageShack.us
der ramparts walk, auf den zinnen von jerulasems stadtmauer


Image Hosted by ImageShack.us
arabische schulklasse auf dem ramparts walk


Image Hosted by ImageShack.us
jerusalemer dächergewirr

dann bin ich quer durch wieder zurueck gegangen und habe mir unterwegs noch ein paar gefaelschte croqs gekauft und ein backgammon-spiel (wenn ich dann auch noch zum ueben komme, dann bin ich dir wenigstens vielleicht irgendwann mal eine wuerdige gegnerin, meine liebe inga!! :)). um halb eins war ich wie ausgemacht wieder bei jo, und da der immernoch ziemlich durchhing, hab ich mich dann kurzentschlossen wieder auf den rueckweg nach rehovot gemacht.

dort angekommen hab ich erst mal geduscht, und hab dann vor langeweile eines von eikes buechern gelesen, es war nicht so dick, ich hab nur 3 stunden dafuer gebraucht. abends wollten wir alle zusammen noch mal essen gehen, also eike, barbara, melania, barbaras freund lele, der auch gerade zu besuch war, thomas aus frankreich (der neurobiologe) und ich. leider hatte eike dann im labor so viel zu tun, dass er nicht mitkam sondern noch weiter arbeitete, waehrend wir anderen uns im restaurant "tuk tuk" den bauch mit sushi und thai-food vollschlugen.
das war vielleicht nicht so gut, denn die diarrhoe, die ich gestern mittag noch fuer eine einmalige sache gehalten hatte, legte dann erst richtig los. die nacht war zum glueck relativ ruhig, ich musste nur zwei mal raus, aber heute frueh ging es gerade so weiter, alle 10 minuten zum klo und richtig derbe darmkraempfe. zum glueck war mir nicht auch noch schlecht dabei...

eigentlich wollte ich schon am vormittag nach tel aviv fahren, aber ich beschloss zu warten, biss ich mindestens eine ganze stunde durchfallfrei gewesen waere, das war mir dann doch zu riskant mit der busfahrt... leider hoerte es ueberhaupt nicht mehr auf, und ich hab dann doch welche von meinen vorsichtshalber mitgebrachten imodium genommen. am mittag dann noch nen schwarzen tee, eine banane und eine tasse bruehe zu mir genommen, und nach einer dritten imodium war dann endlich gut. um 14 uhr bin ich dann aus dem haus gegangen, hab mir ein taxi zum busbahnhof geleistet (nur um spaeter festzustellen, dass der bus nach einer halben stunde durch die stadt kurven auch direkt an unserer strasse hielt...) und bin nach tel aviv gefahren.

der busbahnhof in tel aviv ist riesig, dimensionen wie ein flughafen-terminal, und nachdem ich erst mal eine weile durch dieses labyrinth geirrt bin, hab ich dann auf der 7ten ebene die auskunft bekommen, wo ich den bus finden wuerde, der mich ins zentrum bringt.
und jetzt sitze ich hier und warte, dass es viertel nach 6 wird, denn dann soll ich Liat anrufen, bei der ich heute uebernachten werde, um auszumachen, wo wir uns treffen werden.

mein bauch gibt immer noch ruhe, toi toi toi, aber es fuehlt sich alles ziemlich empfindlich an. langsam freue ich mich auf zuhause.

Dienstag, 4. März 2008

Jerusalem Teil 2

mensch, was tun mir die fuesse weh!!

ich bin heute frueh mit jo zusammen aufgestanden, und nachdem er sich um halb neun auf den weg zur arbeit machte, hab ich mich erst mal in ein cafe um die ecke gesetzt, in ruhe einen cappuchino getrunken und mir ueberlegt, was ich als erstes machen will.

dann hab ich mich auf den weg in die altstadt gemacht. ich habe versucht, die souks ein wenig zu umgehen, aber das ist gar nicht so einfach, frueher oder spaeter landet man doch immer wieder in einem . heute war ich aber ein bisschen gelassener als gestern.
als erstes bin ich in richtung des juedischen viertels gelaufen, dort war ich gestern noch nicht. morgens ist es noch relativ ruhig in der altstadt, viele der staende und laeden sind noch geschlossen, es sind noch nicht so viele touristen unterwegs, und das ist sehr angenehm. das juedische viertel bietet einen ziemlichen kontrast zum muslimischen viertel, es ist viel sauberer und aufgeraeumter und vor allem auch ruhiger. ich bin vom new gate in der westmauer aus bis zur ostmauer gelaufen, und dann ein stueck die mauer entlang gegangen, einen teil des so genannten "rampart walk". und als ich um eine kurve gebogen bin, hab ich sie zum ersten mal gesehen: die goldene kuppel des felsendoms, glaenzend in der morgensonne. toll sah das aus! ich bin weiter gelaufen bis zum dung gate, von dem aus man direkt zur klagemauer kommt.

Image Hosted by ImageShack.us
frühmorgens in jerusalem


Image Hosted by ImageShack.us
erster blick auf den tempelberg

auch hier gab es wieder sicherheitskontrollen, metalldetektoren, jemand schaute in meinen rucksack. und dann war ich auf dem platz vor der klagemauer. schon komisch, wenn man etwas so viele male im fernsehen und auf bildern gesehen hat, und es so unendlich fern erschien, und ploetzlich ist man da. ich stand erstmal und schaute, und dann war es ploetzlich wieder da: das gefuehl schon einmal hier gewesen zu sein, das zu kennen...
die klagemauer ist unterteilt in einen bereich fuer maenner und einen fuer frauen. der frauenbereich ist viel kleiner, obwohl dort viel mehr menschen waren! und irgendwie waere ich viel lieber zu den maennern gegangen. komisch. auch als ich die maenner beobachtet hab, wie sie sich ihren tallit, den gebetsschal ueberwarfen, die tefillin um die arme und den kopf wanden, kam mir das alles so vertraut vor... auch wenn ich die maenner auf der strasse sehe, mit den kipas auf dem kopf, wuerde ich mir am liebsten auch eins aufsetzen. vielleicht war ich ja in einem frueheren leben ein juedischer mann?

... ich habe fotografiert und mich gleichzeitig geschaemt, ich hatte das gefuehl, es gehoert sich nicht, betende zu fotografieren. ich bin mir vorgekommen wie ein voyeur, aber ich wollte die eindruecke festhalten, und mein gefuehl am liebsten gleich mit.
es hat ein bisschen gedauert, bis ich so weit nach vorne kam, dass ich direkt an der mauer stand, und obwohl ich mir unsicher war, ob ich es als nicht-juedin ueberhaupt darf, habe ich das beduerfnis gehabt, die mauer zu beruehren. und da war es dann da, ein bisschen, das gefuehl an einem heiligen ort zu sein, und ich hab spontan etwas getan, das ich schon lange nicht mehr getan habe: ich habe gebetet. nicht zu einem gott-vater, aber zu der universellen kraft, von deren existenz ich ueberzeugt bin, und in dem moment wurde mir noch einmal ganz deutlich bewusst, dass es keinen unterschied macht. alle in dieser stadt, ob muslime, christen oder juden, beten zu ein und derselben goettlichen kraft, die sich jedem einzelnen in einer ganz eigenen, besonderen weise offenbart.
es klingt ein bisschen pathetisch, was ich schreibe, oder? aber ich habe es wirklich so empfunden.

Image Hosted by ImageShack.us
anstehen zur sicherheitskontrolle


Image Hosted by ImageShack.us
frauen und männer dürfen nur getrennt zur klagemauer



Image Hosted by ImageShack.us
wenn man sie in die mauer steckt, haben die gebete eine größere chance, erhört zu werden

leider hab ich dann das kurze zeitfenster verpasst, in dem man auf den tempelberg gelassen wird, und bin deshalb wieder aus dem dung gate rausgelaufen, zur city of david, die ganz in der naehe ist. die stadt davids wird als "kernzelle" des alten jerusalem bezeichnet, aber ausser ein paar ruinen ist eigentlich nicht mehr viel zu sehen. man kann durch zwei tunnel gehen, in einem davon muss man eine taschenlampe mitnehmen und durch wasser waten, aber mangels entsprechendem schuhwerk konnte ich das leider nicht machen und bin durch den trockenen gang gelaufen.
die ganze city of david zieht sich einen steilen huegel hinab, und als ich dann ganz unten war, musste ich wieder hinaufsteigen, was ganz schoen anstrengend war. dann kam ich aber genau rechtzeitig wieder am dung gate an, um mich ganz vorne am einlass zum tempelberg anzustellen.

auch hier wieder sicherheitskontrolle, diesmal mit durchleuchtung der taschen und stichprobenartigem abtasten. nicht-muslime duerfen den tempelberg nur durch ein einziges der 11 offenen tore betreten, durch das marokkanertor. der zugang fuehrt seitlich der klagemauer ueber eine grosse hoelzerne bruecke, darunter sind archaeologische ausgrabungen im gange. auf der ganzen bruecke und auch direkt am to selbst stehen schwerstbewaffnete polizisten, komplett mit kugelsicherer weste und riesigen maschinenpistolen. ich hab mich ja mittlerweile an den anblick der omnipraesenten jungen soldaten gewoehnt, aber so viele waffen auf einen haufen und in so unmittelbarer naehe verursachen mir doch noch gaensehaut.
dann war ich oben, auf dem tempelberg, und den felsendom dann von nahem zu sehen ist doch nochmal etwas ganz anderes. leider darf man als nicht-muslim den felsendom und auch die al-aqsa-moschee nicht betreten, und ich musste mich damit begnuegen, sie mir von aussen zu betrachten. das ganze gelaende ist viel groesser und weitlaeufiger, als ich es mir vorgestellt hatte! es ist schoen, mit vielen baeumen, wiesen, und man kann sich eine ganze weile dort aufhalten und spazieren gehen. die weitlaeufigkeit zerstreut auch den laerm der sonst so temperamentvollen araber, und wenn die spannungen durch die scharfen sicherheitsvorkehrungen nicht staendig unterschwellig zu spueren waeren, koennte man sagen, es ist ein friedlicher ort.

Image Hosted by ImageShack.us
der felsendom


Image Hosted by ImageShack.us
die al aqsa moschee


Image Hosted by ImageShack.us
danach bin ich eigentlich mehr oder minder ziellos durch die stadt gestreift, habe im juedischen viertel in einem cafe eine suppe gegessen, habe im souk ein paar gewuerze gekauft und herzlich mit dem verkaeufer gelacht, weil ich ihm gestand, dass ich ganz schlecht im verhandeln sei und hoffte, dass es keine beleidigung waere, wenn ich ihm einfach den verlangten preis gaebe. daraufhin schenkte er mir noch ein paar kandierte mangostuecke, wuenschte mir einen schoenen weiteren aufenthalt und freute sich sichtlich, als ich ihm ein "flourishing business" wuenschte. und dann bin ich doch tatsaechlich von einem chasidim angequatscht worden, der auf eine ganz schleimige art versuchte, mich zu einer spende fuer irgendwas zu ueberreden. ich hatte heute aber schon zwei bettler gluecklich gemacht und im cafe hillal fuer die security gespendet und lehnte dankend ab, woraufhin er, sichtlich beleidigt, abzog.

die chasidim sind ueberhaupt erscheinungen, die man einfach nicht uebersehen kann. immer mit langem schwarzem mantel gekleidet, darunter das fransenhemd, rauschbaerten, den stirnlocken und hohen schwarzen hueten ueber ihren ebenso schwarzen kipas. die meisten gehen ein bisschen vornuebergebeugt, wie tief in gedanken, und viele, so kommt es mir vor, haben eine art zu gehen, die mir extrem gehetzt vorkommt. obwohl sie hier zum alltaeglichen strassenbild gehoeren und mir andauernd begegnen, faellt es mir schwer, sie nicht so offensichtlich zu betrachten - sie sind einfach so besonders!

auf dem rueckweg aus der altstadt heraus bin ich noch einem tipp aus dem lonely planet gefolgt und an einer ecke eine unauffaellige staehlerne treppe hochgestiegen, die mich geradewegs auf das dach ueber den souks fuehrte. das war mal eine ganz andere perspektive, ploetzlich nicht mehr zwischen den engen gassen zu sein, sondern ueber den daechern von jerusalem! die sonne stand schon etwas tiefer, und zwischen dem gewirr von schornsteinen, dachaufbauten und antennen funkelte wieder die kuppel des felsendoms, davor, ganz banal, wehten auf einer waescheleine die kleider im wind. durch die lueftungsschaechte konnte man das treiben der souks von oben betrachten, und wie ueberall auch hier oben: jede menge katzen. ueberhaupt, jerusalem gehoert in wirklichkeit gar nicht den menschen, sondern den katzen, struppigen, scheuen viechern, die man vor allem dort antrifft, wo muellsaecke herumliegen - also praktisch an jeder ecke, und deren kampfgeschrei wie das schreien von saeuglingen klingt.

Image Hosted by ImageShack.us

Image Hosted by ImageShack.us

Image Hosted by ImageShack.us
gestern bin ich uebrigens nicht mit klettern gegangen, sondern bin stattdessen ins "sol" gegangen, das sich als nette kleine tapas-bar entpuppte. leider gab es dort keinen jazz, wie der lonely planet schrieb, aber ein gitarrenduo, das sehr schoen sang - nur leider auf hebraeisch, so dass ich kein wort verstand. danach war ich noch in "mikes place", das einem ausgewanderten amerikaner gehoerte, wo scheinbar ein abend mit offener buehne stattfand, aber da gefiel mir die atmosphaere nicht so gut. dann kam jo aber auch schon vom klettern zurueck und ich war dann auch froh, als ich mich auf der couch ausstrecken konnte.

meine fuesse haben sich jetzt ein bisschen erholt, und jo hat gerade angerufen, er ist von der arbeit zurueck. mal sehen, ob er noch fit genug ist, um heute abend etwas zu unternehmen.

Montag, 3. März 2008

Die heilige Stadt

heute vormittag bin ich mit dem bus nach Jerusalem gefahren. Jonathan, der student, den ich ueber couchsurfing kennen gelernt habe und bei dem ich die naechsten zwei naechte schlafen werde, hat mich vom busbahnhof abgeholt. er ist sehr nett und lebt mit 2 mitbewohnern und einer katze im absoluten zentrum von jerusalem (der 'neuen' stadt), nur ein paar minuten zu fuss vom jaffa gate, einem der tore zur altstadt entfernt. die interessantesten kneipen, die auch im lonely planet erwaehnt sind, finden sich gerade auf der anderen strassenseite, und ueberhaupt ist alles was man braucht in unmittelbarer naehe. besser haette ich es nicht treffen koennen!

nachdem ich meinen rucksack in der wg abgestellt hab, sind wir erst mal mittagessen gegangen. jo musste dann zu vorlesungen, und in der zeit bin ich halbwegs planlos durch die stadt gestreift und irgandwann auch in der altstadt gelandet. gleich als erstes musste ich einen aufdringlichen typen abwimmeln, der mir unbedingt seine business card und irgendwelche dubiosen dienste aufdraengen wollte und mich auf arabisch furchtbar beschimpfte, nachdem ich mehrfach ablehnte.

ich lief durch mehrere souks und haette ja gerne ein bisschen gestoebert, hatte aber nicht den nerv, mich mit den verkaufskuensten der eifrigen haendler abzugeben und hab es deshalb vermieden, nach links und rechts zu gucken. ploetzlich stand ich vor einer kirche, und nach einem blick in den reisefuehrer war klar, dass es die grabeskirche war, ein muss bei einem jerusalem-besuch. also bin ich reingegangen.

es war das erste mal, dass ich in einer orthodoxen kirche war. der bau alleine war schon beeindruckend, und auch die vielen haengenden lampen, aber der kitsch hielt sich in grenzen, ich hatte viel mehr erwartet. am faszinierendsten fand ich allerdings die menschen. in der grabeskirche befindet sich ja angeblich das grab von jesus, sowie die fundstelle seines kreuzes. am eingang liegt der so genannte salbungsstein, auf dem jesus fuer die beisetzung vorbereitet worden sein soll. dort schon fielen die menschen ringsum am stein auf die knie, kuessten ihn, streichelten ihn, legten ihre gebetbuecher darauf und eine frau rieb ihr halstuch darueber, als koennte sie damit etwaige reste der balsamierungsessenzen damit aufsaugen. manche knieten vornuebergebeugt, stirn und haende auf den stein gelegt und verharrten regungslos im gebet, minutenlang.
im unter der kuppel im inneren der kirche, in der rotunde, steht die aedicula, die grabeskapelle, die schon eher meiner vorstellung von orthodoxem prunk entsprach. die menschen standen in einer langen schlange, um einzeln die kapelle zu betreten, und, soviel konnte ich von aussen sehen, auf knieen etwas im inneren zu kuessen und sich dabei von ihren reisebegleitern fotografieren zu lassen, waehrend daneben ein orhodoxer priester wache hielt. ich beobachtete alles eine weile lang und versuchte zu erfuehlen, ob ich in diesem raum die praesenz gottes mehr spueren koennte als anderswo, aber dem war nicht so, eher im gegenteil. als ich die kirche verliess, kam ich mir ein bisschen verloren vor. ich lief einfach weiter, und auf einmal merkte ich, dass ich muede war, und mich auch ein bisschen ueberfordert fuehlte.

Image Hosted by ImageShack.us
der salbungsstein in der grabeskirche


Image Hosted by ImageShack.us
der "hintereingang" der grabeskirche


hier in dieser grossen lauten stadt, zwischen den maechtigen mauern, waere es schon schoen, jemanden an meiner seite zu haben, um meine gedanken auszutauschen. ich kam hierher in der erwartung, in der hoffnung, den geist dieses ortes, der fuer so viele religionen zu den allerwichtigsten zaehlt, unmittelbar zu erfahren, seine heiligkeit zu spueren, aber noch ist da nicht viel. gerade fuehle ich mich ein bisschen alleine.

morgen werde ich den ganzen tag in der altstadt verbringen, werde zur klagemauer gehen und auf den tempelberg, die stadt davids besuchen und einfach umherstreifen. mal sehen, ob es dann anders ist...

heute abend weiss ich noch nicht genau - ich habe die option, mit Jo und einem freund klettern zu gehen, oder alleine loszuziehen, vielleicht in eine der bars, die heute livemusik anbieten. ich werde kurzfristig entscheiden, eine stunde hab ich noch zeit.

Sonntag, 2. März 2008

Akko

in Akko habe ich mich nur in der altstadt aufgehalten. akko ist eine stadt mit einer sehr bewegten geschichte, sehr umkämpft und immer wieder neu erobert, von den ottomanen, den mameluken, den kreuzfahrern, den briten...
heute ist die altstadt vo Akko fest in arabischer hand, die jüdische bevölkerung wohnt größtenteils in der neuen stadt.
mir hat es unheimlich gut gefallen, es ist, als würde man in einen mittelalterlichen traum aus 1001 nacht eintauchen. die schmalen gässchen, bögen, tunnel, dicke mauern, eine unglaublich breite, an manchen stellen doppelte stadtmauer, die zitadelle mit den unterirdischen riesigen hallen der kreuzritter, dem tunnel der templer, dem alten gefängnis, den großen und kleinen karawansereien, den moscheen, dem hamam... herrlich! ich bin ein paar stunden einfach herumgestreift, war früh aufgestanden, da schlief die stadt noch. als um halb neun die zitadelle geöffnet hat, hab ich mir ein kombiticket gekauft und bin alle wichtigen sehenswürdigkeiten abgelaufen. gut, dass ich so früh dran war, es waren kaum touristen unterwegs. dafür lief ich mitten durch den alltag der bevölkerung, kinder auf dem weg zur schule, männer auf dem weg zur moschee, verschleierte frauen mit einfkaufstüten oder kinderwägen. die händler, die ihre kleinen läden im souk öffneten. streunende katzen an jeder ecke, straßenkehrer (scheinbar zu wenige, in jeder ecke liegt dort müll herum, leider, das trübt das bild etwas...). es ist so schwer den eindruck über worte zu vermitteln, den zauber, die jahrhunderte an geschichte, die diese massigen mauern förmlich auszuatmen scheinen...

mit dem zug bin ich dann am nachmittag nach rehovot zurückgefahren. bei der sicherheitskontrolle am bahnhof (mit röntgenapparat, wie am flughafen und bewaffneten sicherheitsleuten (die mir mittlerweile allerdings harmlos vorkommen, nach all den jungen soldaten, die hier alle paar meter mit riesen maschinengewehren an einem vorbeilaufen...)) ist mir dann mein taschenmesser abgenommen worden, war wohl etwas größer als es hätte sein dürfen. weil ich anscheinend auch verdächtig aussehe, haben sie auch noch meine personalien aufgeschrieben. ;) alltag in israel.

morgen dann ein höhepunkt meiner reise, auf den ich mich schon die ganze zeit besonders freue: jerusalem, bis mittwoch.

Golan und Galilaea, die 2te...

so, neuer versuch, diesmal werde ich zwischendrin abspeichern.

gestern morgen haben wir ausgeschlafen und haben uns dann auf den weg gemacht, irgendwo einen ort zum frühstuecken zu finden - gar nicht so einfach, wenn man ausgerechnet am schabbat in einer der wichtigsten städte des judentums ist... ein stück richtung norden fanden wir einen imbiss am straßenrand und bekamen zum frühstück nach israelischer manier schälchen mit oliven, hummus, salaten und dazu brot. zum glück gabs auch kaffee.

Image Hosted by ImageShack.us
der tag hatte ziemlich diesig begonnen, aber noch während wir in richtung golan fuhren, klarte es auf und die sonne kam heraus. gerade recht um die grüne landschaft der golanhöhen in all ihrer pracht zu beleuchten. überall blühte es, gelbe blütenteppiche von rapsähnlichen blumen, blassviolettes wiesenschaumkraut, und weißrosa baumblüten. hier war der frühling wahrlich schon ausgebrochen!!

unsere erste station war der 'Berg der Seligpreisungen', der ort wo Jesus vermutlich seine bergpredigt gehalten hat. auf dessen gipfel steht eine kleine kirche, und da sie auf dem weg lag, haben wir mal vorbeigeschaut. nunja, neben einigen mönchen, nonnen, einer deutschen kirchengemeinde-reisegruppe, einer asiatischen reisegruppe, einer österreichischen gruppe mit identischen orangenen kappen auf dem kopf liefen da noch eine menge anderer leute herum, so viele, wie die mindestens 10 reisebusse auf dem parkplatz eben fassen konnten. die reinste kommerzialisierung, das hat für mich mit glauben nicht mehr viel zu tun und hat mich ziemlich nachenklich gemacht. ich hab mich jedenfalls nicht sehr wohl gefühlt und war froh, dass wir schnell wieder gegangen sind.

Image Hosted by ImageShack.us
kirche auf den berg der seligpreisungen


Image Hosted by ImageShack.us
heiliger tourismus!

unser eigentliches erstes ziel war der 'Birchat Meshushim', der Hexagon Pool im westen des Yehudiya Nationalparks. die wanderung führte uns etwa 2 kilometer ein tal hinab, durch sattes grün zwischen felsen und durch ein vielfarbiges blütenmeer. blühender ginster, anemonen, und besonders schön: jede menge alpenveilchen, die ich bis dato nur in töpfen gesehen hatte.

Image Hosted by ImageShack.us
alpenveilchen

der hexagon pool ist eine erweiterung eines bachlaufs, an dessen rändern der basalt zu sechseckigen säulen erstarrt ist, ähnlich wie am Giant's Causeway in Nordirland. wir blieben ein weilchen und sahen dem treiben der familien auf ihrem shabbat-ausflug zu, bevor wir uns wieder auf den rückweg machten. mittlerweile war es mittag geworden, und die sonne brannte ziemlich heiß herunter, was den aufstieg zu einer recht schweißtreibenden angelegenheit machte.

Image Hosted by ImageShack.us
eike beim eingang des hexagon pool


Image Hosted by ImageShack.us
der birchat meshushim

dann fuhren wir weiter und entschieden kurzerhand, nicht noch den ostteil des Yehudiya zu bewandern, sondern stattdessen weiter in den Golan zu fahren, bis nach Gamla. der dortige nationalpark ist gleich wegen mehrerer sehenswürdigkeiten berühmt: zum einen lebt dort die größte raubvogelkolonie in israel, vor allem eine bestimmte geierart, dann befindet sich dort der mit 50m höchste wasserfall israels, und es gibt ein riesiges feld mit dolmen, die von steinzeitlichen nomaden stammen. all das war toll, vor allem die geier haben mich sehr beeindruckt - noch nie habe ich so riesige vögel aus einer solchen nähe gesehen, und vor allem nicht so viele!! der begriff 'majestätisch' hat für mich plötzlich eine ganz neue bedeutung bekommen... das dolmenfeld erinnerte mich sehr an den Burren in Irland, die von felsen durchsetzte wiese, dazwischen immer wieder dolmen. man kann sich nicht vorstellen, wie die menschen es damals geschafft haben, diese schweren steine aufeinander zu stapeln, so ganz ohne maschinen...

Image Hosted by ImageShack.us
die wunderschönen golanhöhen


Image Hosted by ImageShack.us
geier


Image Hosted by ImageShack.us
die endemische golan-lilie

als der park um 16 uhr schloss und wir uns auf den rückweg machten, beschloss ich spontan, mich von eike an der mittelmeerküste in akko absetzen zu lassen. eigentlich hatte ich akko für die kommende woche geplant gehabt, aber das wäre zu viel fahrerei gewesen, und jetzt war es von der strecke her egal, ob eike über akko oder über jerusalem nach rehovot zurückfahren würde. ich packte mir das nötigste in meinen kleinen rucksack und ließ den großen bei eike im auto. als wir in akko ankamen, war es schon dunkel. wir aßen wir noch gemeinsam zu abend, und während eike davon fuhr, machte ich mich auf den weg durch die engen gassen, um das hostel zu finden, das im lonely planet beschrieben war. ich fand es und mietete mich in einem dorm room ein. wie der lp beschrieb, hat das hostel eine gespaltene persönlichkeit - nette, ordentliche zimmer vorneraus, und hintenraus, die etwas schäbigeren dorm rooms.
ich bin ja wirklich anspruchslos, aber was ich da vorfand, war wirklich... naja. ich sagte mir: wenn ich wirklich noch meine weltreise antreten will, dann muss ich lernen mit bescheidenen unterkünften auszukommen - vermutlich werde ich da manchmal froh sein, überhaupt eine solche unterkunft zu bekommen! also biss ich die zähne zusammen und beschloss, mir die dusche am nächsten tag zu sparen (ich hätte mich hinterher wahrscheinlich noch schmutziger gefühlt als vorher..) und nicht daran zu denken, was wohl in den dünnen, durchgelegenen matratzen alles kreuchen und fleuchen könnte. dementsprechend bescheiden habe ich diese nacht auch geschlafen. wenigstens war ich alleine, und aus meinem fenster konnte ich jenseits der deprimierenden grauen mauer die große moschee sehen.

Image Hosted by ImageShack.us
das ist wahres "budget sleeping"...


Image Hosted by ImageShack.us
ausblick

Samstag, 1. März 2008

Golan und Galilaea

jetzt hatte ich gerade eine stunde lang einen langen text ueber den heutigen tag geschrieben, und dann ist der sch... internet explorer abgestuerzt!!! frust!!!! jetzt hab ich keinen bock mehr, vielleicht schreibe ich morgen aebnd noch was ueber die geier, die dolmen, die sechseckigen basaltsaeulen und ueber den golan. und natuerlich ueber akko. grrr. jedenfalls wars ein schoener tag, und jetzt gehe ich in dem siffigsten hostel aller zeiten schlafen. urgs.

Freitag, 29. Februar 2008

Bet She'an und See Genezareth

der tag heute war recht gediegen, am morgen habe ich das auto zurueckgebracht, eike war noch im labor um seine "zellen zu fuettern", und dann haben wir uns mittags auf den weg richtung norden gemacht.

erst waren wir in Bet She'an, wo wir uns die ausgrabungsstaette einer antiken stadt angesehen haben, und dann sind wir weiter gefahren zum see genezareth und haben uns kurz die Jordan-Taufstelle angeschaut. Die originale Taufstelle von jesus ist wohl eigentlich in der naehe von jericho, aber eine dort aufgestellte tafel besagte, dass es ja schon unglaublich toll sei, so ganz in der naehe getauft zu werden, wo damals jesus getauft wurde, und dass es ja gar nicht genau die gleiche stelle sein muesse, um ein ueberwaeltigendes erlebis zu sein. nunja, die anlage war zwar ganz nett, aber total kommerzialisiert, mit einem riesigen devotionalienladen, wo man unter anderem "heiliges jordan-wasser" in kanistern kaufen konnte, und einer speziell angelegten taufstelle mit stufen, die ins wasser fuehrten und gelaendern, die so riesig war, dass man locker zwei busladungen mit leuten auf einmal taufen koennte - was wahrscheinlich auch gemacht wird. ueber der tuer des eingangsportals hing ein grosses transparent: "we welcome our visitors from nigeria!"

nach 10 minuten hatten wir dort alles gesehen und fuhren weiter zum kibbutz En Gev, wo wir exzellenten Fisch aus der kibbutzeigenen fischzucht serviert bekamen mit anderen leckereien und hausgemachten, sehr guten zitronensaft. zum kaffee gabs dann datteln, und zwar ganz frische, die ich so noch nie gegessen hatte.

jetzt sind wir in Tiberias, wo wir uns fuer die nacht ein zimmer in einem hostel genommen haben, und morgen wollen wir uns den Yehudiya-Nationalpark ansehen und vielleicht noch etwas anderes, aber das steht noch noch nicht ganz fest.

gute nacht!

User Status

Du bist nicht angemeldet.

Archiv

November 2009
Mo
Di
Mi
Do
Fr
Sa
So
 
 
 
 
 
 
 1 
 2 
 3 
 4 
 5 
 6 
 7 
 8 
 9 
10
11
12
13
14
15
16
17
18
19
20
21
22
23
24
25
26
27
28
29
30
 
 
 
 
 
 
 
 
 

die mondin heute

CURRENT MOON

links I like














Zufallsbild

wiesenschaumkraut in der abendsonne

wie ist das wetter in görlitz?

Aktuelles Wetter in Goerlitz:


Temperatur: 4 C
UV Index: 0
Luftfeuchte: 84 %
Sichtweite: 15.0 km
Luftdruck: 976.0 mb
Windstärke: 14 km/h

Weather data provided by weather.com

ich lese gerade:


Nana Nauwald, Felicitas D. Goodman
Ekstatische Trance. Das Arbeitsbuch.


Rupert Sheldrake
Der Siebte Sinn des Menschen


Albert Sanchez Pinol, Angelika Maass
Im Rausch der Stille


Jean-Christophe Grangé
Das schwarze Blut