Dienstag, 4. März 2008

Jerusalem Teil 2

mensch, was tun mir die fuesse weh!!

ich bin heute frueh mit jo zusammen aufgestanden, und nachdem er sich um halb neun auf den weg zur arbeit machte, hab ich mich erst mal in ein cafe um die ecke gesetzt, in ruhe einen cappuchino getrunken und mir ueberlegt, was ich als erstes machen will.

dann hab ich mich auf den weg in die altstadt gemacht. ich habe versucht, die souks ein wenig zu umgehen, aber das ist gar nicht so einfach, frueher oder spaeter landet man doch immer wieder in einem . heute war ich aber ein bisschen gelassener als gestern.
als erstes bin ich in richtung des juedischen viertels gelaufen, dort war ich gestern noch nicht. morgens ist es noch relativ ruhig in der altstadt, viele der staende und laeden sind noch geschlossen, es sind noch nicht so viele touristen unterwegs, und das ist sehr angenehm. das juedische viertel bietet einen ziemlichen kontrast zum muslimischen viertel, es ist viel sauberer und aufgeraeumter und vor allem auch ruhiger. ich bin vom new gate in der westmauer aus bis zur ostmauer gelaufen, und dann ein stueck die mauer entlang gegangen, einen teil des so genannten "rampart walk". und als ich um eine kurve gebogen bin, hab ich sie zum ersten mal gesehen: die goldene kuppel des felsendoms, glaenzend in der morgensonne. toll sah das aus! ich bin weiter gelaufen bis zum dung gate, von dem aus man direkt zur klagemauer kommt.

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frühmorgens in jerusalem


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erster blick auf den tempelberg

auch hier gab es wieder sicherheitskontrollen, metalldetektoren, jemand schaute in meinen rucksack. und dann war ich auf dem platz vor der klagemauer. schon komisch, wenn man etwas so viele male im fernsehen und auf bildern gesehen hat, und es so unendlich fern erschien, und ploetzlich ist man da. ich stand erstmal und schaute, und dann war es ploetzlich wieder da: das gefuehl schon einmal hier gewesen zu sein, das zu kennen...
die klagemauer ist unterteilt in einen bereich fuer maenner und einen fuer frauen. der frauenbereich ist viel kleiner, obwohl dort viel mehr menschen waren! und irgendwie waere ich viel lieber zu den maennern gegangen. komisch. auch als ich die maenner beobachtet hab, wie sie sich ihren tallit, den gebetsschal ueberwarfen, die tefillin um die arme und den kopf wanden, kam mir das alles so vertraut vor... auch wenn ich die maenner auf der strasse sehe, mit den kipas auf dem kopf, wuerde ich mir am liebsten auch eins aufsetzen. vielleicht war ich ja in einem frueheren leben ein juedischer mann?

... ich habe fotografiert und mich gleichzeitig geschaemt, ich hatte das gefuehl, es gehoert sich nicht, betende zu fotografieren. ich bin mir vorgekommen wie ein voyeur, aber ich wollte die eindruecke festhalten, und mein gefuehl am liebsten gleich mit.
es hat ein bisschen gedauert, bis ich so weit nach vorne kam, dass ich direkt an der mauer stand, und obwohl ich mir unsicher war, ob ich es als nicht-juedin ueberhaupt darf, habe ich das beduerfnis gehabt, die mauer zu beruehren. und da war es dann da, ein bisschen, das gefuehl an einem heiligen ort zu sein, und ich hab spontan etwas getan, das ich schon lange nicht mehr getan habe: ich habe gebetet. nicht zu einem gott-vater, aber zu der universellen kraft, von deren existenz ich ueberzeugt bin, und in dem moment wurde mir noch einmal ganz deutlich bewusst, dass es keinen unterschied macht. alle in dieser stadt, ob muslime, christen oder juden, beten zu ein und derselben goettlichen kraft, die sich jedem einzelnen in einer ganz eigenen, besonderen weise offenbart.
es klingt ein bisschen pathetisch, was ich schreibe, oder? aber ich habe es wirklich so empfunden.

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anstehen zur sicherheitskontrolle


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frauen und männer dürfen nur getrennt zur klagemauer



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wenn man sie in die mauer steckt, haben die gebete eine größere chance, erhört zu werden

leider hab ich dann das kurze zeitfenster verpasst, in dem man auf den tempelberg gelassen wird, und bin deshalb wieder aus dem dung gate rausgelaufen, zur city of david, die ganz in der naehe ist. die stadt davids wird als "kernzelle" des alten jerusalem bezeichnet, aber ausser ein paar ruinen ist eigentlich nicht mehr viel zu sehen. man kann durch zwei tunnel gehen, in einem davon muss man eine taschenlampe mitnehmen und durch wasser waten, aber mangels entsprechendem schuhwerk konnte ich das leider nicht machen und bin durch den trockenen gang gelaufen.
die ganze city of david zieht sich einen steilen huegel hinab, und als ich dann ganz unten war, musste ich wieder hinaufsteigen, was ganz schoen anstrengend war. dann kam ich aber genau rechtzeitig wieder am dung gate an, um mich ganz vorne am einlass zum tempelberg anzustellen.

auch hier wieder sicherheitskontrolle, diesmal mit durchleuchtung der taschen und stichprobenartigem abtasten. nicht-muslime duerfen den tempelberg nur durch ein einziges der 11 offenen tore betreten, durch das marokkanertor. der zugang fuehrt seitlich der klagemauer ueber eine grosse hoelzerne bruecke, darunter sind archaeologische ausgrabungen im gange. auf der ganzen bruecke und auch direkt am to selbst stehen schwerstbewaffnete polizisten, komplett mit kugelsicherer weste und riesigen maschinenpistolen. ich hab mich ja mittlerweile an den anblick der omnipraesenten jungen soldaten gewoehnt, aber so viele waffen auf einen haufen und in so unmittelbarer naehe verursachen mir doch noch gaensehaut.
dann war ich oben, auf dem tempelberg, und den felsendom dann von nahem zu sehen ist doch nochmal etwas ganz anderes. leider darf man als nicht-muslim den felsendom und auch die al-aqsa-moschee nicht betreten, und ich musste mich damit begnuegen, sie mir von aussen zu betrachten. das ganze gelaende ist viel groesser und weitlaeufiger, als ich es mir vorgestellt hatte! es ist schoen, mit vielen baeumen, wiesen, und man kann sich eine ganze weile dort aufhalten und spazieren gehen. die weitlaeufigkeit zerstreut auch den laerm der sonst so temperamentvollen araber, und wenn die spannungen durch die scharfen sicherheitsvorkehrungen nicht staendig unterschwellig zu spueren waeren, koennte man sagen, es ist ein friedlicher ort.

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der felsendom


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die al aqsa moschee


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danach bin ich eigentlich mehr oder minder ziellos durch die stadt gestreift, habe im juedischen viertel in einem cafe eine suppe gegessen, habe im souk ein paar gewuerze gekauft und herzlich mit dem verkaeufer gelacht, weil ich ihm gestand, dass ich ganz schlecht im verhandeln sei und hoffte, dass es keine beleidigung waere, wenn ich ihm einfach den verlangten preis gaebe. daraufhin schenkte er mir noch ein paar kandierte mangostuecke, wuenschte mir einen schoenen weiteren aufenthalt und freute sich sichtlich, als ich ihm ein "flourishing business" wuenschte. und dann bin ich doch tatsaechlich von einem chasidim angequatscht worden, der auf eine ganz schleimige art versuchte, mich zu einer spende fuer irgendwas zu ueberreden. ich hatte heute aber schon zwei bettler gluecklich gemacht und im cafe hillal fuer die security gespendet und lehnte dankend ab, woraufhin er, sichtlich beleidigt, abzog.

die chasidim sind ueberhaupt erscheinungen, die man einfach nicht uebersehen kann. immer mit langem schwarzem mantel gekleidet, darunter das fransenhemd, rauschbaerten, den stirnlocken und hohen schwarzen hueten ueber ihren ebenso schwarzen kipas. die meisten gehen ein bisschen vornuebergebeugt, wie tief in gedanken, und viele, so kommt es mir vor, haben eine art zu gehen, die mir extrem gehetzt vorkommt. obwohl sie hier zum alltaeglichen strassenbild gehoeren und mir andauernd begegnen, faellt es mir schwer, sie nicht so offensichtlich zu betrachten - sie sind einfach so besonders!

auf dem rueckweg aus der altstadt heraus bin ich noch einem tipp aus dem lonely planet gefolgt und an einer ecke eine unauffaellige staehlerne treppe hochgestiegen, die mich geradewegs auf das dach ueber den souks fuehrte. das war mal eine ganz andere perspektive, ploetzlich nicht mehr zwischen den engen gassen zu sein, sondern ueber den daechern von jerusalem! die sonne stand schon etwas tiefer, und zwischen dem gewirr von schornsteinen, dachaufbauten und antennen funkelte wieder die kuppel des felsendoms, davor, ganz banal, wehten auf einer waescheleine die kleider im wind. durch die lueftungsschaechte konnte man das treiben der souks von oben betrachten, und wie ueberall auch hier oben: jede menge katzen. ueberhaupt, jerusalem gehoert in wirklichkeit gar nicht den menschen, sondern den katzen, struppigen, scheuen viechern, die man vor allem dort antrifft, wo muellsaecke herumliegen - also praktisch an jeder ecke, und deren kampfgeschrei wie das schreien von saeuglingen klingt.

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gestern bin ich uebrigens nicht mit klettern gegangen, sondern bin stattdessen ins "sol" gegangen, das sich als nette kleine tapas-bar entpuppte. leider gab es dort keinen jazz, wie der lonely planet schrieb, aber ein gitarrenduo, das sehr schoen sang - nur leider auf hebraeisch, so dass ich kein wort verstand. danach war ich noch in "mikes place", das einem ausgewanderten amerikaner gehoerte, wo scheinbar ein abend mit offener buehne stattfand, aber da gefiel mir die atmosphaere nicht so gut. dann kam jo aber auch schon vom klettern zurueck und ich war dann auch froh, als ich mich auf der couch ausstrecken konnte.

meine fuesse haben sich jetzt ein bisschen erholt, und jo hat gerade angerufen, er ist von der arbeit zurueck. mal sehen, ob er noch fit genug ist, um heute abend etwas zu unternehmen.

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