wenn schon essen, dann in görlitz - wir bauen weiter, jetzt erst recht!!
tja, leider leider ist görlitz/zgorzelec nicht kulturhauptstadt geworden. sehr, sehr schade, wie ich finde. die stadt hätte es verdient und auch gebraucht.
wie es jetzt wohl weiter geht? "wir bauen weiter - jetzt erst recht!" hat der bürgermeister gestern abend verkündet, nachdem er aus brüssel zurückgekommen war und sich den an und auf der altstadtbrücke wartenden, enttäuschten, aber nichts desto trotz feierwilligen menschen stellen musste (wie kann man denn auch anders, als nicht feiern, wenn es freibier gibt, die bands schon engagiert und das feuerwerk schon aufgebaut ist?? ;o)).
die offizielle stellungnahme der städe görlitz und zgorzelec kann man hier lesen: "Wir bauen weiter!"
ich hoffe sehr, dass die leute, die sich für die kulturhauptstadt engagiert haben, jetzt nicht den kopf in den sand stecken und vor lauster frustration und enttäuschung ganz aufgeben. es wäre schade um görlitz, um diese wunderschöne stadt, in der meiner meinung nach wahnsinnig viel potential steckt. so viel steht leer, so viele phantastische alte gebäude, ehemalige fabriken, in denen man irre tolle projekte ansiedeln könnte - wenn es nur arbeit gäbe. warum will keiner hier her? warum kommen keine firmen hier her, hier, wo immobilien und baugrund so unglaublich billig sind? wo mehr als genug leute willige arbeiter wären? was könnte man großartiges schaffen!
ich versteh es einfach nicht.
wenn ich mehr zeit hätte, und ich wünschte so sehr, es wäre so, dann würde ich mich gerne auch engagieren. ich würde gerne bei solchen projekten mit machen. ich würde als erstes wieder polnisch lernen (das war das erste, das ich aus zeitmangel aufgegeben hab, weil ich einfach nicht wusste, wann ich dafür lernen soll, neben all den anderen wichtigen sachen...), und würde mithelfen, dass die stadt wieder zusammen wächst.
es gibt ja noch viele leute, die das nicht wollen. und es ist auch sicher nicht so einfach möglich, da ist immer noch eine grenze, die görlitz teilt, und die man noch immer nicht überschreiten darf, ohne dass furchteinflößende grenzbeamte mit misstrauischen blicken deinen ausweis kontrollieren.
aber es ist ja auch schon viel passiert, es gibt große bemühungen zur zusammenarbeit auf beiden seiten, viele tolle projekte, über die man sich auf den webseiten von görlitz (siehe linkliste rechts) informieren kann.
dennoch bekomme ich hier eine ahnung, wie sich manche berliner vor der wende gefühlt haben mögen, angesichts einer wie mit einem schwert geteilten stadt. es tut weh in der seele. so empfinde ich, und ich bin noch nicht mal görlitzerin. man stelle sich vor, wie das wäre, wenn man heidelberg einfach so teilen würde? wenn der neckar plötzlich eine grenze wäre, und neuenheim und handschuhsheim wären ab sofort kein teil von heidelberg mehr? schreckliche vorstellung, nicht wahr?
der krieg ist schon lange vorbei. ich kann mir nicht anmaßen zu denken, ich hätte einen hauch von ahnung, was krieg in wirklichkeit bedeutet für die, die ihn erlebt haben. aber hier sind für mich die geister der vergangenheit noch spürbar, in diesem landstrich, in schlesien, das früher mal zusammen gehörte und jetzt halb deutsch, halb polnisch ist. die meisten meiner patienten stammen ursprünglich aus schlesien, aus dörfern, die heute in polen liegen. kaum eine/r ist echte/r görlitzer/in.
ich weiß nicht warum, aber ich empfinde die geschichtsträchtigkeit dieses ortes, an dem ich lebe, hier viel mehr, als an allen anderen orten, an denen ich bis jetzt gelebt habe. ich wünschte, ich hätte mehr zeit, darüber zu lesen. vielleicht bleibe ich länger, als das studium dauert. vielleicht.

das foto ist mit freundlicher genehmigung von der görlitz2010 seite entnommen. danke!
wie es jetzt wohl weiter geht? "wir bauen weiter - jetzt erst recht!" hat der bürgermeister gestern abend verkündet, nachdem er aus brüssel zurückgekommen war und sich den an und auf der altstadtbrücke wartenden, enttäuschten, aber nichts desto trotz feierwilligen menschen stellen musste (wie kann man denn auch anders, als nicht feiern, wenn es freibier gibt, die bands schon engagiert und das feuerwerk schon aufgebaut ist?? ;o)).
die offizielle stellungnahme der städe görlitz und zgorzelec kann man hier lesen: "Wir bauen weiter!"
ich hoffe sehr, dass die leute, die sich für die kulturhauptstadt engagiert haben, jetzt nicht den kopf in den sand stecken und vor lauster frustration und enttäuschung ganz aufgeben. es wäre schade um görlitz, um diese wunderschöne stadt, in der meiner meinung nach wahnsinnig viel potential steckt. so viel steht leer, so viele phantastische alte gebäude, ehemalige fabriken, in denen man irre tolle projekte ansiedeln könnte - wenn es nur arbeit gäbe. warum will keiner hier her? warum kommen keine firmen hier her, hier, wo immobilien und baugrund so unglaublich billig sind? wo mehr als genug leute willige arbeiter wären? was könnte man großartiges schaffen!
ich versteh es einfach nicht.
wenn ich mehr zeit hätte, und ich wünschte so sehr, es wäre so, dann würde ich mich gerne auch engagieren. ich würde gerne bei solchen projekten mit machen. ich würde als erstes wieder polnisch lernen (das war das erste, das ich aus zeitmangel aufgegeben hab, weil ich einfach nicht wusste, wann ich dafür lernen soll, neben all den anderen wichtigen sachen...), und würde mithelfen, dass die stadt wieder zusammen wächst.
es gibt ja noch viele leute, die das nicht wollen. und es ist auch sicher nicht so einfach möglich, da ist immer noch eine grenze, die görlitz teilt, und die man noch immer nicht überschreiten darf, ohne dass furchteinflößende grenzbeamte mit misstrauischen blicken deinen ausweis kontrollieren.
aber es ist ja auch schon viel passiert, es gibt große bemühungen zur zusammenarbeit auf beiden seiten, viele tolle projekte, über die man sich auf den webseiten von görlitz (siehe linkliste rechts) informieren kann.
dennoch bekomme ich hier eine ahnung, wie sich manche berliner vor der wende gefühlt haben mögen, angesichts einer wie mit einem schwert geteilten stadt. es tut weh in der seele. so empfinde ich, und ich bin noch nicht mal görlitzerin. man stelle sich vor, wie das wäre, wenn man heidelberg einfach so teilen würde? wenn der neckar plötzlich eine grenze wäre, und neuenheim und handschuhsheim wären ab sofort kein teil von heidelberg mehr? schreckliche vorstellung, nicht wahr?
der krieg ist schon lange vorbei. ich kann mir nicht anmaßen zu denken, ich hätte einen hauch von ahnung, was krieg in wirklichkeit bedeutet für die, die ihn erlebt haben. aber hier sind für mich die geister der vergangenheit noch spürbar, in diesem landstrich, in schlesien, das früher mal zusammen gehörte und jetzt halb deutsch, halb polnisch ist. die meisten meiner patienten stammen ursprünglich aus schlesien, aus dörfern, die heute in polen liegen. kaum eine/r ist echte/r görlitzer/in.
ich weiß nicht warum, aber ich empfinde die geschichtsträchtigkeit dieses ortes, an dem ich lebe, hier viel mehr, als an allen anderen orten, an denen ich bis jetzt gelebt habe. ich wünschte, ich hätte mehr zeit, darüber zu lesen. vielleicht bleibe ich länger, als das studium dauert. vielleicht.

das foto ist mit freundlicher genehmigung von der görlitz2010 seite entnommen. danke!
PhOeNiXe - 12. Apr, 10:35












