nostalgie-tag

nachdem die halbe familie den großteil von heiligabend und dem ersten weihnachtsfeiertag in der küche verbrachte (kochen, geschirr spülen, aufräumen, kochen, geschirr spülen usw.), war heute faulenzen angesagt. nunja, ganz ohne arbeiten können meine eltern wohl nicht, deswegen ist dann doch noch mindestens eine ladung wäsche übergemacht worden, aber im großen und ganzen war heute der entspannteste tag seit ich mittwoch abend ankam.

alle paar jahre ist dann auch wieder nostalgie-session angesagt. dann hole ich alle alten fotoalben aus dem elternschlafzimmer nach unten, und mama kommt mit ihrer kiste, in der sie ihre ältesten fotos aufbewahrt und briefe, die ihr wichtig sind, wie die briefe, die meine großeltern uns nach england geschrieben haben.

und dann staunen wir über die bilder, über die männer, die uniformen mit spitzhelmen tragen, wie wir sie nur noch aus filmen kennen, über gesichter, in denen wir unsere eigenen wiedererkennen, über die schnörkelige schrift auf den feldpostkarten, die wir kaum noch entziffern können. darüber, dass diese verblichenen bilder in unseren händen schon einhundert jahre alt sind. wir lachen über die riesenbrillen, die unsere eltern trugen und die monströs gemusterten tapeten ihrer ersten gemeinsamen wohnung, über die briefe, die wir als kinder aus dem ferienlager nach hause schrieben. wir weinen auch, wenn wir die briefe unserer großeltern lesen, die schon so lange tot sind. wir fühlen uns beraubt. das leben hat uns die zeit geraubt, die wir noch mit ihnen hätten haben sollen. die liebe, die sie uns gegeben hätten, hätten sie noch ein paar jahre mehr gehabt. beraubt auch des wissens, das mit ihnen unwiederbringlich begraben wurde.
und wie seltsam und schön ist es, wenn wir dinge entdecken, die in uns selbst weiterleben.

ich liebe diese tage, wenn ich vieles fragen kann, wie war das, damals? und auch meine eigenen erinnerungen verifizieren kann: stimmt das? ist das wirklich so passiert, wie ich es im kopf habe? und an diesen tagen frage ich mich auch immer wieder: will ich wirklich keine kinder haben? wer wird einmal meine ganzen fotos erben, wird in hundert jahren noch jemand meinen namen wissen?


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meine ur-ur-großmutter katharina mit ihrer familie, um die jahrhundertwende. sie gebar otto, den vater des vaters meiner mutter, hier ganz links im bild. sie hat meiner mutter und mir das charakteristische kinn vererbt.

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