Die heilige Stadt

heute vormittag bin ich mit dem bus nach Jerusalem gefahren. Jonathan, der student, den ich ueber couchsurfing kennen gelernt habe und bei dem ich die naechsten zwei naechte schlafen werde, hat mich vom busbahnhof abgeholt. er ist sehr nett und lebt mit 2 mitbewohnern und einer katze im absoluten zentrum von jerusalem (der 'neuen' stadt), nur ein paar minuten zu fuss vom jaffa gate, einem der tore zur altstadt entfernt. die interessantesten kneipen, die auch im lonely planet erwaehnt sind, finden sich gerade auf der anderen strassenseite, und ueberhaupt ist alles was man braucht in unmittelbarer naehe. besser haette ich es nicht treffen koennen!

nachdem ich meinen rucksack in der wg abgestellt hab, sind wir erst mal mittagessen gegangen. jo musste dann zu vorlesungen, und in der zeit bin ich halbwegs planlos durch die stadt gestreift und irgandwann auch in der altstadt gelandet. gleich als erstes musste ich einen aufdringlichen typen abwimmeln, der mir unbedingt seine business card und irgendwelche dubiosen dienste aufdraengen wollte und mich auf arabisch furchtbar beschimpfte, nachdem ich mehrfach ablehnte.

ich lief durch mehrere souks und haette ja gerne ein bisschen gestoebert, hatte aber nicht den nerv, mich mit den verkaufskuensten der eifrigen haendler abzugeben und hab es deshalb vermieden, nach links und rechts zu gucken. ploetzlich stand ich vor einer kirche, und nach einem blick in den reisefuehrer war klar, dass es die grabeskirche war, ein muss bei einem jerusalem-besuch. also bin ich reingegangen.

es war das erste mal, dass ich in einer orthodoxen kirche war. der bau alleine war schon beeindruckend, und auch die vielen haengenden lampen, aber der kitsch hielt sich in grenzen, ich hatte viel mehr erwartet. am faszinierendsten fand ich allerdings die menschen. in der grabeskirche befindet sich ja angeblich das grab von jesus, sowie die fundstelle seines kreuzes. am eingang liegt der so genannte salbungsstein, auf dem jesus fuer die beisetzung vorbereitet worden sein soll. dort schon fielen die menschen ringsum am stein auf die knie, kuessten ihn, streichelten ihn, legten ihre gebetbuecher darauf und eine frau rieb ihr halstuch darueber, als koennte sie damit etwaige reste der balsamierungsessenzen damit aufsaugen. manche knieten vornuebergebeugt, stirn und haende auf den stein gelegt und verharrten regungslos im gebet, minutenlang.
im unter der kuppel im inneren der kirche, in der rotunde, steht die aedicula, die grabeskapelle, die schon eher meiner vorstellung von orthodoxem prunk entsprach. die menschen standen in einer langen schlange, um einzeln die kapelle zu betreten, und, soviel konnte ich von aussen sehen, auf knieen etwas im inneren zu kuessen und sich dabei von ihren reisebegleitern fotografieren zu lassen, waehrend daneben ein orhodoxer priester wache hielt. ich beobachtete alles eine weile lang und versuchte zu erfuehlen, ob ich in diesem raum die praesenz gottes mehr spueren koennte als anderswo, aber dem war nicht so, eher im gegenteil. als ich die kirche verliess, kam ich mir ein bisschen verloren vor. ich lief einfach weiter, und auf einmal merkte ich, dass ich muede war, und mich auch ein bisschen ueberfordert fuehlte.

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der salbungsstein in der grabeskirche


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der "hintereingang" der grabeskirche


hier in dieser grossen lauten stadt, zwischen den maechtigen mauern, waere es schon schoen, jemanden an meiner seite zu haben, um meine gedanken auszutauschen. ich kam hierher in der erwartung, in der hoffnung, den geist dieses ortes, der fuer so viele religionen zu den allerwichtigsten zaehlt, unmittelbar zu erfahren, seine heiligkeit zu spueren, aber noch ist da nicht viel. gerade fuehle ich mich ein bisschen alleine.

morgen werde ich den ganzen tag in der altstadt verbringen, werde zur klagemauer gehen und auf den tempelberg, die stadt davids besuchen und einfach umherstreifen. mal sehen, ob es dann anders ist...

heute abend weiss ich noch nicht genau - ich habe die option, mit Jo und einem freund klettern zu gehen, oder alleine loszuziehen, vielleicht in eine der bars, die heute livemusik anbieten. ich werde kurzfristig entscheiden, eine stunde hab ich noch zeit.
arboretum - 3. Mrz, 19:39

Für welche Möglichkeit Sie sich auch entscheiden, ich wünsche Ihnen viel Vergnügen. Nach Jerusalem möchte ich auch 'mal gerne. Mein Vater war zweimal dort, von der ersten Reise brachte er mir ein sehr schönes Schmuckstück aus dem armenischen Viertel mit. Von der zweiten dann zwei Kettenanhänger, einer mit einem Eilatstein, auch sehr hübsch.

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